MEDICAL RISK MANAGEMENT

Dr. med. Stephan G. Zipper

Neurologie - Notfallmedizin - Intensivmedizin
Sachverständigengutachten

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Vortrag Medical Risk

Aerztliche Fehlbehandlungen

“Es irrt der Mensch solang´ er strebt”, Faust: Prolog im Himmel; Goethe

Die Dinge könnten so einfach sein: Aus Patienten- und Arztsicht wird einfach gute Medizin gewünscht. Nun sind Dinge aber leider nur selten einfach. Es beginnt schon mit der Frage: Was ist gute Medizin? Und weiter: Wie läßt sie sich beschreiben? Neben einer positiven Leistungsbeschreibung kann der Qualitätsgrad ärztlicher Leistungen u. a. auch über eine Fehlerbeschreibung erfolgen bzw. über ein aktives Fehlermanagement definiert werden. Es ist daher verwunderlich, daß bislang in Deutschland kein allgemein akzeptiertes und systematisches Fehlermanagement erfolgt, obwohl der medizinische Bereich zu einem Hochrisikobereich wie die Luftfahrt oder die Atomkraft gehört; Bereiche, in denen ein systematisches Risikomanagement lange schon eingeführt ist und hier auch nachweislich Fehler bzw Schäden reduziert. Die Zunahme des ökonomischen Druckes auf das System Medizin führt u. a. dazu, daß jetzt häufiger neben der Frage, was ein Krankenhaus oder Arzt für seine Leistung bekommt, umgekehrt auch die Frage, “was ein Patient für sein Geld bekommt”, gestellt wird. Weitere Ursachen für ein zunehmendes Interesse an Fehlern in der Medizin sind u. a. eine kritischer werdende Patientenhaltung, Enttäuschung von zu hohen Erwartungen an Behandlungen (z. B. Robodoc) und juristische Aspekte (Entwicklung der Rechtsprechung im Sinne neuer Grundsätze des materiellen und prozessoralen Rechts zugunsten von Patienten, z. B. bei Anforderungen an den medizinischen Standard, die Sorgfalts- und Fortbildungspflicht, den Anscheinsbeweis und Beweislastregelungen, Dokumentationsmängel und Verschärfung der ärztlichen Aufklärungspflicht sowie einer Tendenz zur Erhöhung des Schmerzensgeldes). In den USA wurden im Jahr 2000 16.000 Klagen mit einer zugesprochenen Gesamtsumme von 4 Milliarden USD erhoben, im UK waren es 1999 3254 Klagen mit Gesamtkosten von 386 Millionen Pfund. Systematische Zahlen für die BRD liegen nicht vor. Die Notwendigkeit eines medizinischen Risikomanagements ist nicht zu übersehen. Dieses umfaßt neben medizinischen ethische, juristische und ökonomische Aspekte, die teilweise eng ineinandergreifen.

Übersicht siehe: Zipper SG Medical-Risk Management. Med Klinik 2006;101:796-803