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Schwindel

Schwindel ist ein sehr häufiges und meist auch unangenehmes Symptom; es tritt mit einer Häufigkeit von bis zu 33 % in der Bevölkerung auf (Cohen 1993) und ist in seinen möglichen Ursachen äußerst vielfältig. So kann eine Störung des Gleichgewichtsorgans, des zentralen und peripheren Nervensystems, der Augen und des Herz-Kreislaufsystems zu Schwindel führen. Bewährt hat sich eine nähere semantische Eingrenzung mit Hilfe der anglo-amerikanischen Begriffe "dizziness" und "vertigo". Schwindel kann zudem in der Folge zu weiteren Beschwerden führen wie Gangunsicherheit oder -unfähigkeit, Sehstörungen und Angst, z. B. vor Stürzen. Erschwerend kommt hinzu, daß auch umgekehrt z. B. Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen oder Angst zu dem Gefühl von Schwindel führen können. Noch komplizierter kann es werden, wenn bei vorbestehender Schädigung z. B. des Gleichgewichtsorgans eine andere schwindelerzeugende Ursache, wie z. B. eine Beeinträchtigung des Sehens, der Körperwahrnehmung (z. B. Polyneuropathie), eine psychische Störung oder Medikamentenstörwirkungen hinzutritt.

Bei der Schwindeldiagnostik und -therapie ist daher eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen (HNO, Neurologie, Innere Medizin, Augen, Psychosomatik) notwendig, um eine umfassende Diagnostik zu ermöglichen, denn erst diese eröffnet gezielte Therapiemöglichkeiten.

Neurologische Ursachen für Schwindel können z. B. sein:

  • Polyneuropathien
  • Hirndurchblutungsstörungen (Schlaganfall)
  • Migräne
  • Vertebralisparoxysmie
  • entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z. B. Multiple Sklerose)
  • neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Ataxien)

Statistische Verteilung der häufigsten Schwindelformen [Strupp M, Dieterich M, Brandt T: The Treatment and natural course of peripheral and central vertigo. Dt Aerzteblatt Int 2013; 110 (29-30):505-16]:

  • BPPV 17,1%
  • somatoformer phobischer Schwankschwindel 15,0%
  • zentrale vestibuläre Syndrome 12,3%
  • vestibuläre Migräne 11,4%
  • M. Meniere 10,1%
  • Neuritis vestibularis 8,3%
  • bilaterale Vestibulopathie 7,1%
  • Vestibularisparoxysmie 3,7%
  • psychogener Schwindel (andere) 2,9%
  • Perilymphfistel 0,5%
  • unklare Schwindelsyndrome 2,7%
  • andere Schwindelformen im Kontext neurodegenerativer Erkrankungen oder Augenbewegungsstörungen 8,8%

Kopfimpulstest (Halmagyi) bei Vestibularisausfall links